IM GESPRÄCH MIT ... Susanne Imhoff im Gespräch mit Hanka Meves-Fricke Wie organisieren Sie Ihren Vorstand? Mein Vater hatte den Wunsch, dass unsere Familie in der Stiftung Verantwortung übernimmt. Daher treffen meine Schwester Annette und ich die Entscheidungen einvernehmlich, wobei ich für das komplette Tagesgeschäft verantwortlich bin. Wir haben jeweils zwei Kinder: Diese sind bereits im Beirat eingebunden. Damit führen wir die nächste Generation an die Stiftungsarbeit heran, damit diese für die Zukunft gut aufgestellt ist. Wie treffen Sie Ihre Entscheidungen in der Stiftung? Über allem liegen die Stiftungszwecke, für die wir die Mittel, die wir erwirtschaften, ausgeben dürfen und müssen. Diese kommen einerseits aus dem angelegten Kapital und andererseits - vereinfacht ausgedrückt - aus Mieteinnahmen des Schokoladenmuseums. Daraus ergibt sich unser jährliches Fördervolumen. Wir nehmen unsere Aufgabe sehr ernst und wissen um die Relevanz, die Zu- oder Absagen für Vereine und Organisationen haben können. Ich spreche mit nahezu allen Antragstellerinnen und -stellern und verschaffe mir einen persönlichen Eindruck. Unser entwickelter „Wertekompass“ hilft uns, die nicht immer einfachen Förderentscheidungen zu treffen. Dem Beirat gegenüber sind wir berichtspflichtig, dort werden darüber hinaus aber auch Förderschwerpunkte festgelegt. Wie hat sich Stiftungsarbeit in den letzten Jahren verändert? Wir haben unsere Arbeit professionalisiert. Das haben wir in den letzten Jahren durch die vollständige Digitalisierung des Antragswesens, aber auch durch unseren Social Media Auftritt und unsere Öffentlichkeitsarbeit vorangetrieben. Mir persönlich war es besonders wichtig, dass wir einen engen und wertschätzenden Kontakt zu unseren Förderpartnern pflegen. Das gelingt uns in den allermeisten Fällen. Was nehmen Sie sich für die Zukunft vor? Wir wollen aufgrund der vielen Aufgaben und des hohen Anspruchs an uns selbst unser Leitungsteam noch in diesem Jahr erweitern, damit wir uns weiter verbessern. Ein Beispiel für die Öffentlichkeitsarbeit war im vergangenen Jahr die Aktion „Bessermacher für Köln gesucht“. Könnten Sie uns erklären, warum Sie sie gestartet haben? Zu unserem Jubiläum haben wir uns etwas Besonderes ausgedacht: Ausnahmsweise haben sich nicht Vereine bei uns für Projektförderung beworben, sondern wir haben Kölnerinnen und Kölner aufgerufen, uns ihre persönliche Geschichte zu erzählen: Durch welchen Verein ist in ihrem Leben ganz konkret etwas besser geworden? So wurden mit 635 Geschichten 180 Vereine nominiert! Die Auswahl der 25 Gewinner haben dann nicht wir getroffen, sondern eine 15-köpfige Jury quer durch Köln. Das haben wir zudem mit einem Online-Voting kombiniert. Die 25 Gewinner-Vereine haben nicht nur eine beachtliche, projektunabhängige Fördersumme bekommen, sondern zusätzlich große Aufmerksamkeit, besondere Wertschätzung, einen Eintrag im Gästebuch der Stadt und sie sind bei einem Festakt im Rathaus groß gefeiert worden. Der Erfolg dieser Aktion hat alle Erwartungen übertroffen. 8 KLAAF IM GESPRÄCH
IM GESPRÄCH MIT ... 50 Über die Jahre hat die Imhoff Stiftung Projekte mit über 22 Millionen Euro gefördert. Was sind Ihre Herzensprojekte? Seit 2018 bin ich Vorstandsvorsitzende unserer Imhoff Stiftung. In den Jahren davor haben wir bereits viele Veranstaltungen und Projekte mit auf den Weg gebracht, wie die lit.kid. COLOGNE oder den „Sommer Köln“. Darauf sind wir sehr stolz! Aber es gibt tatsächlich ein Herzensthema, welches ich durch meine persönliche Erfahrung angestoßen habe. Der Vater meiner Kinder ist vor zehn Jahren unerwartet kurz nach einer tragischen Diagnose gestorben. Die Welt hat sich erstaunlicherweise weitergedreht, aber unsere stand in dieser ganzen Zeit still. Die Unterstützung von Familien, die von Sterbeprozess, Tod und Trauer betroffen sind, halte ich für essenziell wichtig. Daher fördern wir sehr gerne die Caring Community Köln, den Verein Lebenswert und das Familienhörbuch sowie Projekte von ande - ren bedeutenden Akteuren, die sich in diesem Bereich engagieren. Wenn Sie Projekte gefördert haben, sehen Sie sich diese auch an? Unbedingt. Das gibt mir Kraft für meine Arbeit. Das macht Spaß. Ob theaterpädogisches Projekt in einer Kindertagesstätte, Theaterproduktionen der freien Szene, Klassik-Konzert im Cäcilien-Keller, ich schaue mir gern alles an, was ein sichtbares Ergebnis hat. Ich lerne dabei so viel dazu. War es für Sie eine gute Entscheidung, zurück nach Köln zu kommen und die Imhoff Stiftung zu leiten? Auf jeden Fall. Abgesehen davon, dass ich meinen Beruf liebe: Ich mag Köln und alle Menschen, die sich der Stadt und ihrer Offenheit zugehörig fühlen. Das wird einem hier so unglaublich leicht gemacht! Kennen Sie eine andere Stadt, in der sich „Immis“ innerhalb kurzer Zeit so heimisch fühlen können und die Möglichkeit haben, die Stadt zu ihrer zu machen? Nicht nur durch das Liedgut und den Karneval sind die Kölner so mit ihrer Stadt verbunden. „Kölle es e Jeföhl“ ist tatsächlich nicht nur ein Satz in einem Lied, sondern eine Tatsachenbeschreibung! Vielen Dank für das Gespräch! 50 Jahre SK Stiftung Kultur Die Stiftung begeht im Jahr 2026 ihren 50. Jahrestag. Dazu blicken wir noch einmal auf die Anfänge und Meilensteine zurück. Lesen Sie mehr dazu im Beileger in dieser und der folgenden Ausgabe des KLAAF- Magazins. Inhaltliche Bereiche der SK Stiftung Kultur: • Akademie für uns kölsche Sproch, darunter Veranstaltungen, Führungen, Lehrseminare zur kölschen Sprache und Stadtgeschichte, Lehrerfortbildungen und Angebote für Grundschulen sowie Bibliothek • Deutsches Tanzarchiv Köln mit wechselnden Ausstellungen sowie Veranstaltungen • Die Photographische Sammlung mit ihren wechselnden Ausstellungen sowie Veranstaltungen • Medienkunstvermittlung mit generationsübergreifenden Workshops, Förderung des Kurzfilmgenres in verschiedenen Veranstaltungsformaten, Netzwerkarbeit, sowie Beteiligung an „Next!“, dem Festival der jungen Photoszene • Literatur- und Leseförderung mit Kölner Schreibschule für Jugendliche, Grundschul-Projekt „Lesen mit Karla“; des weiteren Kooperation beim ehrenamtlichen Kooperationsprojekt „LeseMentor Köln“ sowie „kicken & lesen Köln“ • Sommer Köln mit kostenfreien Veranstaltungen für alle Kölner*innen und Besucher*innen • Kölner Tanz- und Theaterpreise zeichnen seit 1990 alljährlich die besten Inszenierungen der Kölner Tanz- und Theaterszene aus. Zur Geschichte der Sparkasse KölnBonn: www.sparkasse-koelnbonn.de S K S T I F T U N G K U LT U R Jahre Mehr zur Imhoff Stiftung und zu den 25 Bessermacher Vereinen: www.imhoff-stiftung.de Sommer Köln: www.sommer.koeln Hanka Meves-Fricke ist Autorin und Journalistin und lebt in Köln. Im August 2026 erscheint von ihr der historische Roman „Der Künstlerinnen-Klub“. Zudem hat sie „Die Komponistin von Köln“ sowie das Kinderbuch „Unser Köln“ geschrieben. Wenke Atkins ist Fotografin und arbeitet in Köln und Umgebung für Magazine, Unternehmen und Organisationen. IM GESPRÄCH KLAAF 9
Laden...
Laden...
Facebook