KÖLN ENTDECKT © NakNak, Pixabay Starke Taue für den Handel Das Handwerk der Seilmacher im alten Köln Über viele Jahrhunderte gehörte das Handwerk des Seilmachers zu den stillen, aber unverzichtbaren Berufen der alten Stadt Köln. Während Kaufleute ihre Waren handelten und Schiffe den Hafen ansteuerten, arbeiteten die Seilmacher oft etwas abseits des Trubels. Ihre Produkte jedoch waren überall gefragt, besonders dort, wo die Schifffahrt das Leben bestimmte. Am Ufer des Rhein spielte das robuste Seil eine zentrale Rolle im täglichen Betrieb. Ein Handwerk mit viel Platzbedarf Die Arbeit begann lange bevor ein Schiff festgemacht wurde. Zunächst mussten geeignete Pflanzenfasern beschafft werden, meist Hanf oder Flachs. Diese Fasern wurden sorgfältig gereinigt, gekämmt und anschließend zu langen Fäden versponnen. Erst danach entstand aus vielen einzelnen Strängen das eigentliche Seil. Dafür benötigten Seilmacher ungewöhnlich viel Raum. Die sogenannten Seilerbahnen waren lange, gerade Arbeitsstrecken, auf denen die Fasern über viele Meter gespannt wurden. Während mehrere Stränge gleichzeitig gedreht wurden, liefen die Handwerker langsam rückwärts über diese Bahn. Schritt für Schritt entstand so ein festes Tau. Solche Bahnen lagen häufig am Rand der Stadt, weil innerhalb der engen Gassen kaum Platz dafür vorhanden war. Unverzichtbar für die Schifffahrt Für die Schiffe auf dem Rhein waren diese Taue lebenswichtig. Händler transportierten Wein, Getreide, Stoffe und viele andere Waren entlang der großen Handelsroute. Damit man sicher anlegen konnten, brauchten sie starke Leinen. Mit ihnen wurden Boote am Kai befestigt, Segel gespannt und schwere Ladung gesichert. 26 KLAAF KÖLN ENTDECKT
KÖLN ENTDECKT Seilerei im LVR-Freilichtmuseum Lindlar Im LVR-Freilichtmuseum Lindlar wird das historische Handwerk der Seilerei anschaulich lebendig. In der originalgetreu rekonstruierten Werkstatt können Besucherinnen und Besucher erleben, wie aus Naturfasern wie Hanf traditionelle Seile entstehen. Besonders eindrucksvoll ist dabei die lange Seilerbahn, auf der die einzelnen Fäden zu stabilen Tauen gedreht werden, ganz in der Art, wie es früher auch für Landwirtschaft, Bauwesen und Schifffahrt üblich war. Regelmäßig finden dort Vorführungen statt, bei denen ein Seiler die einzelnen Arbeitsschritte demonstriert und die alte Technik erklärt. Je nach Termin ist es auch möglich, selbst kleinere Arbeiten auszuprobieren und so ein Gefühl für die handwerkliche Präzision zu bekommen. Das Museum ist in der Regel geöffnet von März bis Oktober dienstags bis sonntags von 10:00 bis 18:00 Uhr, sowie in der Winterzeit von November bis Februar dienstags bis sonntags von 10:00 bis 16:00 Uhr. Montags ist das Gelände geschlossen. Weitere Informationen, aktuelle Vorführtermine und Hinweise zum Besuch finden sich auf der offiziellen Webseite: www.freilichtmuseum-lindlar.lvr.de Besonders wichtig waren die Taue beim sogenannten Treideln. Dabei wurden Schiffe stromaufwärts vom Ufer aus gezogen, oft von Menschen oder Pferden. Das Zugseil musste enorme Kräfte aushalten und durfte auch bei Nässe nicht reißen. Ein gut gefertigtes Tau war daher ein echtes Qualitätsmerkmal. Verbindung von Handwerk und Handel Die Seilmacher standen in engem Kontakt mit Schiffern, Hafenarbeitern und Kaufleuten. Viele Kapitäne wussten genau, in welcher Werkstatt sie besonders zuverlässige Taue bekamen. Ein gerissenes Seil konnte im schlimmsten Fall Schiff, Ladung und Besatzung gefährden. Deshalb war das Vertrauen in die Arbeit der Seilmacher groß. Erst mit der Industrialisierung im 19. Jahrhundert veränderte sich das Handwerk spürbar. Maschinen erleichterten die Herstellung, neue Materialien kamen hinzu. Dennoch blieb das Wissen der Handwerker lange gefragt. Auch wenn das alte Gewerbe heute kaum noch sichtbar ist, erinnert die Geschichte der Stadt daran, wie wichtig diese Arbeit einst war. Die Seilmacher lieferten die unscheinbaren, aber unverzichtbaren Verbindungen zwischen Schiff, Hafen und Handel auf dem Rhein. Ihre Taue hielten also nicht nur Schiffe fest, sie verbanden auch die wirtschaftlichen Lebensadern der Stadt. Claudia Schlickeiser JUNI 24 JETZT ONLINE LESEN! Im Webkiosk: klaaf.koelsch-akademie.de > DIE LEIDENSCHAFT FÜRS KÖLSCHE Wolfgang Niedecken und Eusebius Wirdeier > > F. F. WALLRAF UND UNTER KRAHNENBÄUMEN Erinnerungen an ein altes Veedel AKADEMIE FÖR UNS KÖLSCHE SPROCH / SK STIFTUNG KULTUR HEINRICH KOCH Zwei Kölner Mundartautoren Alle KLAAF Ausgaben auf einen Blick, jederzeit und überall verfügbar - natürlich kostenlos. Schön gestaltete und übersichtlich präsentierte Inhalte wie in der gewohnten Print-Version. KÖLN ENTDECKT KLAAF 27
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