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KLAAF 06/26

KLAAF ist das kölsche Magazin – ein Muss für alle Begeisterten der kölschen Sprache und des Brauchtums. Neben den Angeboten der Akademie berichtet das Magazin über spannende Kölner Persönlichkeiten, interessante Veranstaltungen, Geschichten aus der Kölner Geschichte, kölsche Rezepte, Mundarttheater und mehr.

1990-2005 Foto: Herman

1990-2005 Foto: Herman Sorgeloos RosasdanstRosas, 1997 Bereits 1991 war neben der schon etablierten Akademie för uns kölsche Sproch und dem Deutschen Tanzarchiv Köln das Referat für Videotanz entstanden. Den Impuls dafür gab der Aufbau der Filmsammlung des Tanzarchivs. Mit regelmäßigen Screenings richtete die Reihe „Tanzgeschichten“ die Aufmerksamkeit auf den Tanz im Film und ein zuvor weniger beachtetes Genre, die Choreographie für die Kamera. Auffällig ist die Verbindung zu den ab der 1980er Jahre aufkommenden Musikvideos. Auch hier spielte der Tanz eine wichtige Rolle, man denke nur an Michael Jackson. Die „Hochkultur“ hatte diese Technik damals für sich entdeckt. Choreographen inszenierten ihre Stücke jetzt nicht (nur) für die Bühne, sondern auch für die Kamera. Ein besonders einprägsames Beispiel hierfür ist die von der belgischen Choreographin Anne Teresa De Keersmaeker geleitete Kompagnie „Rosas“. Die von Thierry de Mey realisierten filmischen Umsetzungen ihrer originären Bühnenchoreographien wirkten wiederum auf die populäre Kultur ein. Beyoncé musste sich Vorwürfe gefallen lassen, dass sie in ihrem Clip „Countdown” Bewegungen wie Filmeinstellungen von „Rosas danst Rosas” (1997) und „Achterland” (1994) „geklaut“ habe. So gehörten auch diese bei- Videotanzreferat holt „dance screen ’99“ nach Köln „Eine postapokalyptische Wüstenlandschaft und eine einsame Frau im Badeanzug ... die Kraft der Bilder, der Rhythmus der Schnitte, Großaufnahmen des Körpers“, so beschreibt die Kölner Rundschau den Film „Dust“, der „dance screen ’99“. Das größte Festival für die gesamte Breite des Tanzfilmschaffens - Dokumentarfilme, Bühnenaufzeichnungen, Tanz für die Kamera und Musikvideos, initiiert vom Internationalen Musikzentrum Wien, fand dank des engagierten und interna tional gut vernetzten Referats Videotanz in Köln statt. Die siebte Ausgabe des Festivals verstand sich zugleich als Messe, Ausstellung und Wettbewerb und war in diesem Jahr Teil des kulturellen Rahmenprogramms des Weltwirtschaftsgipfels. Filmschaffende und Fernsehverantwortliche nutzten es als Plattform für Austausch und Vernetzung. Besonders positiv aufgenommen wurde, dass das Festival in Köln erstmals auch der breiten Öffentlichkeit mit einem eigenen Filmprogramm im Cinedom zugänglich war. poetic mail Freitags und montags kein Gedicht, das vom Tod spricht Szene aus dem Film „Dust“, 1999 Foto: Anthony Atanasio „Was wahr ist, streut nicht Sand in deine Augen, was wahr ist, bitten Schlaf und Tod dir ab als eingefleischt, von jedem Schmerz beraten, was wahr ist, rückt den Stein von deinem Grab.“ Beispielsweise mit diesen Worten von Ingeborg Bachmann begann ein Bürotag, wenn man zu den Abonnent*innen von „poetic mail“ gehörte. 1997 abonnierten 600 Interessierte diesen außergewöhnlichen Dienst, jeden Morgen ein zeitgenössisches Gedicht im E-Mail-Postfach vorzufinden. Seinerzeit bekannte Persönlichkeiten aus Politik, Kultur und Wirtschaft waren zuvor nach ihren Lieblingsgedichten gefragt worden, darunter Oberbürgermeister Norbert Burger oder der WDR-Intendant Fritz Pleitgen. Selbst auferlegte Vorgabe war: An Freitagen und Montagen wurde nicht vom Tod geschrieben. Die Rückmeldungen waren oft lebhaft und reichten von empört bis begeistert. Nicht alle verstanden sofort das Konzept und es kam vor, dass Gedichte von „begabten“ Verwandten eingeschickt wurden mit der Bitte, die doch auch gerne publik zu machen. Wer findet die richtige Kombination? Die dokumentarische Photographie von Bernd und Hilla Becher findet ihren einzigartigen Ausdruck nicht zuletzt in der richtigen Kombination und Reihenfolge der Bilder. Die Aufregung war groß, als die Mitarbeiterinnen der Photographischen Sammlung einen alarmierenden Anruf vom Aufsichtsteam bekamen, in der laufenden Ausstellung hänge jemand Exponate ab und um. Sofort liefen die Verantwortlichen zum „Tatort“. Dort fanden sie Bernd Becher höchstpersönlich, der feststellte: „Ich wollte nur mal ausprobieren, ob es nicht anders besser aussieht.“

Foto: Hubert Brand Verleihung der Kölner Theaterpreise 1991: Publikumspreis für Walter Bockmeyer (3.v.l.) und Ralph Morgenstern (r.) den Produktionen von De Keersmaeker/De Mey zu den Highlights, die im Rahmen der „Tanzgeschichten“ präsentiert wurden. Zwischen 1997 und 2001 lobte die Stiftung zudem den mit 80.000 DM dotierten Deutschen Videotanzpreis aus. Ebenso entstand das Referat Literatur- und Leseförderung in dieser Zeit, lange bevor die PISA-Studie alarmierende Ergebnisse zur sinkenden Lesekompetenz von Kindern feststellte. Ein wichtiges Projekt waren die Internationalen Kinder- und Jugendbuchwochen, die ab 1996 jeweils mit einem anderen Gastland als Schwerpunkt stattfanden. Das für die freie Szene bis heute wichtige Förderinstrument, die Kölner Tanz- und Theaterpreise, wurden 1990 von der SK Stiftung Kultur ins Leben gerufen. Gewürdigt wird damit bis heute die Vielfalt und Qualität der Inszenierungen der freien Szene. Als Gütesiegel helfen die Theaterpreise Künstler*innen, Geld und Anerkennung zu gewinnen. Die Preisgelder werden seit jeher von Kölner Wirtschaftsunternehmen bereitgestellt. Die heutige Schauspielgröße Annette Frier war die erste, die 1999 den Nachwuchspreis Puck gewann. Unter dem Motto „Open Air und Eintritt frei!“ rief die SK Stiftung Kultur gemeinsam mit der Stadt Köln 1992 den „Sommer Köln“ ins Leben, der ebenfalls durch finanzielle Unterstützung von Sponsoren ermöglicht wurde. Mit kostenlosem Straßentheater, Musik, Tanz und Filmvorführungen entstand ein niedrigschwelliges Kulturangebot für alle, die während der Sommerferien in der Stadt bleiben. Foto: Sabine Große-Wortmann Die Welt zu Gast in Kölner Schulen „Das verstehe ich, so wird bei uns zu Hause auch gesprochen!“ Stolz und begeistert reagierten die Schüler*innen, wenn bei den Internationalen Jugendbuchwochen Autor*innen aus den Ursprungsländern ihrer Familien zu Gast waren. Da wurde auch schon mal spontan von den Kindern für Mitschüler*innen vom Türkischen ins Deutsche übersetzt. 1996 startete das Kooperationsprojekt der SK Stiftung Kultur, das Lesefreude und kulturellen Austausch förderte. Jedes Jahr stand die Kinder- und Jugendliteratur eines anderen Landes im Mittelpunkt, darunter Frankreich, Belgien, Norwegen, Israel oder Kanada. Um kulturelle und interkulturelle Bildung miteinander zu verbinden, wurde bei den Buchpräsentationen nicht nur gelesen, sondern auch lebhaft diskutiert. Die Kinder und Jugendlichen nutzten die Gelegenheit, den Autor*innen und Illustrator*innen Fragen zu stellen und auch die internationalen Gäste waren neugierig auf die Sichtweisen der Schüler*innen. „Sind die Straßen in Amerika wirklich so breit und die Autos so groß?“ war genauso interessant für die Kinder, wie die Frage, ob die Autorin Haustiere und Kinder habe. Isländische Buchwochen: Kristin Steinsdottir Das World Wide Web erreicht die Wohnzimmer Im Mai 1996 launchte die SK Stiftung Kultur ihre Webseite und war damit eine der ersten deutschen Kulturstiftungen mit eigener Internetpräsenz. Mit der Begeisterung der Pionierin wurde beschrieben, was nun alles möglich war. Neben allgemeinen Infos zu den Angeboten waren auch die Bestände der Archive jetzt für Recherchierende standortunabhängig einzusehen. Als größter Fortschritt gegenüber Print wurde die ständige Möglichkeit der Aktualisierung und Erweiterung der Inhalte gepriesen. »Sie brauchen einen Computer, einen Telefonanschluß und ein Modem, um auf dem Meer der Informa tionen im Internet zu ‚surfen’...« Steinzeit des Internets: Erste Homepage der Stiftung, 1996

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