KÖLNER KÖPFE K Der Ohm Will un de Puute Wilhelm Räderscheidt zum 100. Todestag Als im Jahr 1912 die ersten Hefte der Schüler- und Jugendzeitschrift „Jung-Köln“ erschienen, gehörte Wilhelm Räderscheidt als Gründungsmitglied zur Redaktion, verantwortlich für die Mundart-Rubrik „Kölsche Klaaf“. Diese Aufgabe erfüllte er bis zu seinem Tod im Jahr 1926. » Dieser um die Erhaltung und Pflege der Kölner Mundart so hochverdiente Mann war ein echter Sohn des „alten“ Köln...« So charakterisierte ihn Josef Bayer, damals Vorsitzender des Vereins „Alt-Köln“ (heute „Heimatverein Köln“) 1926 in seinem Nachruf auf das hochverdiente Ehrenmitglied. Besonders wichtig war es Wilhelm Räderscheidt (8.8.1865- 6.7.1926), den Kindern und Jugendlichen die Kölner Mundart nahe zu bringen. Dazu brachte er als siebenfacher Vater sowie als Volks- und Mittelschullehrer, der später sogar Direktor der Städtischen Handelsschule wurde, die besten Voraussetzungen mit. So war es nur folgerichtig, dass er die Mundart-Abteilung der neugegründeten Zeitschrift „Jung-Köln“ übernahm, die in den Schulen verteilt wurde. Unter dem Pseudonym „Ohm Will“ versuchte er auf vielfältige Weise, bei den Kindern und Jugendlichen das Interesse an der „kölschen Sproch“ zu wecken. So verfasste er „op kölsch“ Artikel zu Sachthemen, die sich um Köln und die Kölner Mundart drehten. Dazu gehörten z. B. Biografien über Ferdinand Franz Wallraf und Peter Berchem oder Berichte über das Hänneschen-Theater. Selbstverständlich kam auch die Mundartliteratur nicht zu kurz, wobei er neben Werken anderer Autoren auch eigene veröffentlichte. Anders als im Buch „Der Ohm Will“, das seinen Gedichten gewidmet ist, finden sich in „Jung-Köln“ auch Räderscheidts mundartliche Erzählungen und Puppenspiele. Dazu gehören viele Märchen und Sagen, wie „Die Sage vun der Weckschnapp“ oder „Der Düxer Bock - En al Düxer Sag“, aber auch andere Erzählungen, wie z. B. „Wie der Schnieder Schmitz zoeesch widder gelaach hät“. Zu den Puppenspielen, die für das Hännes chen- Theater gedacht waren, zählen „Et kurehte Gespens - Faxespillche en einem Opzog“ sowie „Hännesche un der Dud - Poppespillche met Zauberei, Gesang un Schlägerei“. » DER PATTEVUGEL « De Frooch eß engefahre vum Feld; De Ähdäppelsförcher, die qualme; Der Hervßwind hät et Regalt en der Welt Un fäg durch Stoppel un Halme. Em Hus, do knestert un knuv der Jung Met Papp, Papeer un met Latze ’ne Pattevugel vum schönste Fazung Un zee’t in met Stähnen un Fratze. Hä kött vun der Mutter et Geld för de Kohd Un geiht me’m Broder se kaufe. Jitz sin se em Feld; jitz halden se Rod, Wie der Wind blies un wie mer muß laufe. Der Kleinsten hält op, un der Grözten, dä läuf. Hurra! Hä eß ald am Klemme! Loß scheeße! Los noh! Nor Kohd avgesträuf! Gevv herr! Loß mich in ens nemme! Nit immer geriet et met einem Schlag, Der Vugel zom Fleege ze krige. Met der Spann un me’m Stätz eß dat su en Saach, Un fing en der Wog muß hä lige. Doch schleeßlich, dann flupp et; der Vugel, dä steiht Su huh uns u wigg, nit ze sage. Mer scheck im en Breefge. Süch, süch, wie et geiht! Wie der Wind et noh bovven deit jage! Mer trick widder en, mer liht widder op; Dat Spillche deit sich erneue. Su flöck wie e Kindermüngche gestopp, Su leich eß sien Hätz zo erfreue! Wohl däm, dä em Levve met singer Saach Sich möht wie me’m Vugel die Junge Un richtige Wind hät am richtigen Daag! Wie leich eß sie’ Spill dann gelunge! Wilhelm Räderscheidt 14 KLAAF KÖLNER KÖPFE
K KÖLNER KÖPFE Erste Schritte als Texter von Karnevalsliedern Bis heute bekannt ist Wilhelm Räderscheidt als Verfasser von Gedichten, die zu einem großen Teil in Jung-Köln erstveröffentlicht wurden. Seine ersten Schritte als Mundartdichter machte er jedoch im Karneval mit einigen Liedtexten, zunächst unter dem Pseudonym Willy Köhne. Offensichtlich befürchtete er, dass sein Hobby im preußisch geprägten Schuldienst nicht gut ankommen würde. Einige dieser Lieder nahm er auch in die Jugendzeitschrift auf, darunter sein wohl bekanntestes „De Geiß wollt ’ne Stätz han!“. Zudem textete er das „Fastelovendsleedche för Jung-Köln vum Ohm Will“. Die Themen seiner Gedichte sind vielfältig, er schrieb über Köln, das Leben, den Jahreslauf und vieles mehr. Ein besonderes Augenmerk legte er auf die „Kinderzigg“. Er beleuchtete Aussehen und Charakter der Pänz, z. B. in dem längeren Rüümche „De Leipziger Schlach“. Er schuf unterhaltsame Episoden um das Familienleben herum, wie sein beliebtes Gedicht „Justizirrtum“, und schilderte Erlebnisse aus dem Schulalltag, wobei sein Stück „Nit blöffe loße“ auch für das Thema „Kindermund“ stehen kann, ebenso wie „Dä trecke mer op!“. Dieses Gedicht zeigt deutlich Räderscheidts Gespür für die ungewollt raue Art von Kindern, es beweist aber auch sein Geschick, das Ganze ins Humorvolle zu wenden. Desweiteren beschrieb er so detailliert Kinderspiele, wie „Höppemötzge“, „Ömmerspille“ und „Pattevugel“, dass man sie gleich nachspielen könnte. Wer aber kennt diese Spiele noch? Wer will noch „Müsger fange“? Und wer erinnert sich in Zeiten von „Cola“ noch an „Kuletschwasser“? Ohm Will erläutert die Herstellung so anschaulich, dass der Leser es selbst brauen kann. All diese Gedichte findet der Leser im 1925 erschienenen Buch „Der Ohm Will“, das Räderscheidt selbst zusammengestellt hat. Kurz zuvor hatte er bereits die erste Kölner Mundart-Anthologie für Kinder und Jugendliche „Jet för et Hätz“ herausgegeben. Diese und weitere Werke von Ohm Will finden Sie in unserer Bibliothek zur kostenlosen Ausleihe! Ingeborg Nitt Wilhelm Räderscheidt - A.Savin, Grab-raederscheidt, CC BY-SA 3.0 Räderscheidts Grabstein auf dem Kölner Südfriedhof Ne Draum us Schokolad Theaterwanderung im Schokoladenmuseum - mit vill kölsche Ton Außergewöhnliche Puppenspielreise in 7 Bildern durch die Ausstellung und die gläserne Schokoladenfabrik. Jetzt QR-Code scannen und begehrte Tickets sichern! Falls du Fragen dazu hast schreibe uns eine E-Mail an service@schokoladenmuseum.de KÖLNER KÖPFE KLAAF 15
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