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KLAAF 06/26

KLAAF ist das kölsche Magazin – ein Muss für alle Begeisterten der kölschen Sprache und des Brauchtums. Neben den Angeboten der Akademie berichtet das Magazin über spannende Kölner Persönlichkeiten, interessante Veranstaltungen, Geschichten aus der Kölner Geschichte, kölsche Rezepte, Mundarttheater und mehr.

KÖLN ENTDECKT Der

KÖLN ENTDECKT Der Meister des Lichts William Turner in Köln „Köln, Ankunft eines Paketschiffs, Abend“, William Turner „Köln, Ankunft eines Paketschiffs, Abend“ - das 1826 erstmalig ausgestellte Ölgemälde Turners zeigt deutlich die Charakteristika seiner Malweise: Wasser, Erde und Luft scheinen ineinander überzugehen, die Bauten sind dramatisch überhöht, haben aber keine klaren Abgrenzungen zur Natur und verschwinden in der gelblichen Abendstimmung. „Turner ist zu gelb“ kritisierte sein Malerkollege Constable das Gemälde, „Gelb, man sagt, ich habe es in diesem Jahr ganz und gar für mich reserviert. Und das hatte ich auch beabsichtigt…“, reagierte Turner. Heutzutage fasziniert die Wirkung der Farben und ihre Leuchtkraft. Der Maler Mark Rothko meinte 1972, dieses Gemälde Turners beweise, „dass Farbe das malerische Äquivalent des Lichtes sei und in ihrer Modulation die gleiche Qualität erreichen könne, die den Lichtspielen der Natur als Stimmung innewohnt…“. Joseph Mallord William Turner wurde am 23. April 1775 in London als Sohn eines Barbiers geboren. Sein künstlerisches Talent zeigte sich schon früh, und der stolze Vater stellte die Zeichnungen seines Sohnes in seinem Geschäft aus, wodurch Förderer auf ihn aufmerksam wurden. Sie ermöglichten ihm 1789 ein Stipendium an der Royal Academy. Zu dieser Zeit verdiente er bereits Geld mit koloristischen und zeichnerische Auftragsarbeiten. Auch stellte er eigene Werke aus. 1799 wurde er außerordentliches Mitglied der Royal Academy of Arts, 1802 Vollmitglied, 1807 schließlich Professor für Perspektive. Seine Einnahmen gestatteten ihm, zahlreiche Reisen zu unternehmen, auf denen er sich zu den Motiven seiner Gemälde inspirieren ließ. Bereits in jungen Jahren reiste er durch Großbritannien. Als auf dem Kontinent zwischen den Napoleonischen Kriegen vorübergehend Frieden herrschte, besuchte er 1802 Frankreich und die Schweiz, wo ihn der Rheinfall von Schaffhausen beeindruckte. In Paris besichtigte er unter anderem die von Napoleon geraubten und im Louvre ausgestellten Bilder. 10 KLAAF KÖLN ENTDECKT

KÖLN ENTDECKT „Hochkreuz und Godesburg“, William Turner „Der Rheinfall von Schaffhausen“, William Turner Nach Deutschland kam er zum ersten Mal im Jahr 1817. Er fuhr damals mit Schiff und Postkutsche von London kommend über Aachen nach Köln, wo er am 18. August eintraf. Zu Fuß und per Postkutsche reiste er entlang des Rheins von Köln bis Mainz und zurück. Den 29. und 30. August verbrachte er wieder in Köln, um sich dann auf die Heimfahrt zu machen. Unterwegs skizzierte er den Fluss mit seinen Inseln, die Boote und die Menschen, die dort lebten und arbeiteten, sowie die Weinberge, die Burgen, Kirchen und Festungen an den Ufern. Weitere Reisen auf das europäische Festland folgten, wobei es ihn häufig an den Rhein, aber auch an andere Flüsse wie Main, Mosel oder Maas zog. Auf seinen Reisen entstand eine große Zahl von Skizzenbüchern, die nicht nur seine gezeichneten Eindrücke enthielten, sondern auch Angaben zum Verlauf der Reise oder Hinweise auf Sehenswürdigkeiten oder Hotels, sowie sprachliche Hilfen, wie der deutsche Satz „Wo ist mein Zimmer?“ in phonetischer Schreibweise. Diese Skizzenbücher sind daher eine unschätzbare Hilfe bei der Rekonstruktion seiner Reisen. Seine Ölgemälde und Aquarelle fertigte er anschließend in seinem Atelier. Er arbeitete nicht im Freien, wie der zweite große Landschaftsmaler Englands dieser Zeit, John Constable (1776-1837), oder später die Impressionisten, die von ihm stark beeinflusst wurden. Turner widmete sich hauptsächlich der Landschaftsmalerei, er bevorzugte pittoreske Szenen, die von natürlicher Schönheit, Ursprünglichkeit und Wildheit geprägt waren, und trug so zur Begründung der Rheinromantik bei. Er dramatisierte seine Gemälde, indem er von der Realität abwich und Täler enger, Weinberge höher, Bauten größer malte. Trotzdem lassen sich die Motive und die Stand - orte des Malers nachvollziehen. Er verklärte seine Landschaften durch atmosphärische Erscheinungen, wobei die meteorologischen Phänomene auf der Wirklichkeit beruhen. Einzig Turner verstand es, sie so zu malen. Wer ein Originalgemälde von Turner, der am 19. Dezember 1851 starb, bewundern möchte, wird im LVR-Landesmuseum Bonn fündig. Hier kann der Besucher ein Aquarell besichtigen, das das Hochkreuz und die Godesburg zeigt. Ingeborg Nitt Selbstporträt, William Turner KÖLN ENTDECKT KLAAF 11

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