KÖLN ENTDECKT K Der Johannissprung »Zint Jan well veezehn Dude han, sibbe ze Wasser, sibbe ze Land« Auf den ersten Blick erscheint es widersprüchlich, dass Zint Jan, Johannes der Täufer, der Vorbote Christi, nach alten Vorstellungen Menschen den Tod bringen soll. Es ist aber nicht die Gestalt des Johannes, die diese Widersprüche in sich trägt, sondern der Tag des Johannisfestes selbst, der auch mit der Sommersonnenwende in Verbindung gebracht wurde, Ursprung vielfältigen Wunder- und Geisterglaubens. Es heißt sogar, dass das Jahr zwei heilige Stunden hat, zum einen die Mitternachtsstunde des Weihnachtsfestes, zum anderen die Mittagsstunde des 24.6., des Johannistages, in der die Sonne ihren Höhe- und Wendepunkt erreicht. Sowohl der christlichen als auch der heidnischen Bedeutung dieses Tages sind überall im Land viele Bräuche entsprungen, die die Ängste aber auch die Hoffnungen der Menschen zum Ausdruck bringen. Am Vorabend des Johannisfestes fand in Köln im Mittelalter eine Art Reinigungsfest statt, von dem der italienische Dichter Petrarca berichtet (Originalzitat s. S. 12). Er war am 23.6.1333 in Köln angekommen und Freunde hatten ihn abends zum Rhein geführt, wo er eine große Zahl Frauen und Mädchen, die zum Teil mit Kräuterkränzen geschmückt waren, bestaunte, wie sie ihre Arme im Fluss wuschen. Die Freunde erklärten ihm, dass auf diese Weise alles, im Laufe des kommenden Jahres drohende Leid im Voraus weggewaschen würde und nur noch glückliche Tage bevorständen. Der Glaube an diese Wundertätigkeit des Stromes war aus der Tatsache entstanden, dass in der Antike der Rhein als Gottheit verehrt wurde. Franz Peter Kürten (Volksleben und Lande am Rhein: Rosenmond, Köln o.J., S. 113) schreibt dazu: „Liefen die Dorfmädchen in den Bach und durch den Johannistau, mit dem sie sich auch wuschen, so hatten die Kölnerinnen den Rhein, um an Leib und Seele gesund und schön zu werden und zu bleiben.“ -- !!! Da mit dem Sinken der Sonne in der Vorstellung der Menschen die Macht von Geistern und Dämonen wuchs, versuchte man, sich mit Johanniskräutern und -feuern davor zu schützen. So wurden in manchen ländlichen Gebieten Kränze aus Johanniskräutern am Abend 10 KLAAF KÖLN ENTDECKT
K KÖLN ENTDECKT Da mit dem Sinken der Sonne in der Vorstellung der Menschen die Macht von Geistern und Dämonen wuchs, versuchte man, sich mit Johanniskräutern und -feuern davor zu schützen. des 24. beim Angelusläuten auf die Hausdächer geworfen, um die Gebäude gegen Blitzschlag zu schützen. Im Haus wurden kleine Johannisfeuerchen ebenfalls aus Kräutern angezündet oder ein Blumentopf mit Lichtern versehen, der sogenannte Johannispott, um böse Geister fernzuhalten. Darüber hinaus sagte man den Johanniskräutern Zauberkräfte nach, die die Mädchen in der Johannisnacht von ihrem Zukünftigen träumen ließen. Trug eine unverheiratete Frau beim Johannisreigen einen Zweig unter dem Rock, führte er sie zu ihrem späteren Bräutigam. Der Johannisreigen, der auch Rosentanz hieß, fand auf Straßen statt, die mit Laubgirlanden und Kränzen geschmückt waren. Meistens wurden auch Sonnenwendfeuer angezündet. Sie sollten einerseits die bösen Geister vertreiben und alle Schlechtigkeit verbrennen - in manchen Gegenden wurde als Symbol für das Schlechte ein toter Fuchs ins Feuer geworfen -, andererseits sollten sie Menschen, die sie übersprangen, Schutz gewähren. Eine spezielle Bedeutung hatte dieser Sprung für Brautpaare. So hoch sie Hand in Hand über das Feuer hinwegsetzten, so groß wurde das Glück in der Ehe. In einigen Gebieten wurden brennende Strohräder einen Hügel hinabgestoßen, u.a. an der Mosel. Rollte das Rad bis in den Fluss hinein, bedeutete dies ein gutes Weinjahr. © CC-BY-SA30_Use_20120623 Ralf Johann Johannisfeuer In der Großstadt sind die meisten dieser Bräuche in Vergessenheit geraten, weil die räumlichen Möglichkeiten fehlen und der moderne Stadtmensch den Geisterglauben nicht mehr kennt (oder ihn nicht mehr öffentlich zugibt). In ländlichen Gegenden begegnet man dagegen auch heute Sonnenwendfeuern, Feuerrädern und anderen Traditionen des Johannisfestes. Ingeborg Nitt Sommer-Brunch am 29. Juni - Jetzt reservieren! MITTENDRIN IM SUNNESCHING. www.frueh-em-tattersall.de KÖLN ENTDECKT KLAAF 11
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